„Man will nicht mehr nur ein Produkt kaufen“

Catharina van Delden über verändertes Konsumverhalten, das Bedürfnis der Kunden mitzureden und den Beitrag von Crowdsourcing zum Unternehmenserfolg.

KnowTech: Im Titel Ihrer Keynote zur KnowTech 2013 sagen Sie „Der Kunde will mitreden“. Wie hat sich denn der Anspruch von Konsumenten seit der Vernetzung und Emanzipation durch das Internet verändert?
Catharina van Delden: Nicht nur durch Vernetzung, sondern auch durch Überangebot, haben Konsumenten ein verändertes Kaufverhalten. Es besteht ein erhöhtes Informationsbedürfnis, man will nicht mehr „nur“ ein Produkt kaufen. Das Einkaufs- und Konsumverhalten hat einen immer wichtigeren Stellenwert in der Persönlichkeitsdarstellung & Identitätsfindung. Damit einher geht der Wunsch, Produkte nicht erst im Regal zu finden. Die Kunden möchten auch deren Entstehungsgeschichte mit verfolgen und lassen Produktionsbedingungen etc. mit in die Entscheidungsfindung mit einfließen. Die Kunden wissen heute um die Macht und Reichweite ihrer Stimme. Mehr als jemals zuvor können Sie sich Gehör verschaffen, werden wahr- und ernst genommen.
Transparenz und Offenheit – 1:1 Kundenbeziehungen werden für Unternehmen ein immer wichtigerer Erfolgsfaktor.

KnowTech: Oft gleicht die Innovationsabteilung in Unternehmen einem Hochsicherheitstrakt. Was ist Ihr wichtigstes Argument, wenn Sie Unternehmen davon überzeugen wollen, Innovationsprozesse zu öffnen und sich auf Crowdsourcing einzulassen?
Catharina van Delden: Crowdsourcing ermöglicht es Innovationsabteilungen, das Feedback und Wissen, das sie zum Beispiel über soziale Netzwerke generieren, in ihre Produktneuentwicklungen einfließen zu lassen. So können Produkte entwickelt werden, die sich nah an den Wünschen und Erwartungen ihrer Zielgruppe ausrichten. Durch die offene und kollaborative Produktentwicklung kann außerdem das Flop-Risiko neuer Produkte deutlich gesenkt werden: Eine aktuelle Studie hat am Beispiel Muji gezeigt, dass Produkte, die nicht allein intern entstanden sind, dreimal höheren Umsatz und viermal höhere Marge erzielen.
Auch Unternehmen, die überzeugt sind, viele Idee intern schon gehabt zu haben und nichts Neues aus der „Crowd“ zu hören, können trotzdem von Crowdsourcing profitieren. So können sie ihre Entwicklung besser priorisieren und den Kommunikations- und Brandingeffekt nutzen.

KnowTech: Welche Faktoren kommen denn idealerweise zusammen, damit ein Unternehmen von einem offenen Innovationsprozess wirklich profitieren kann? Allein das Einsammeln guter Ideen reicht vermutlich nicht aus, oder?
Catharina van Delden: Stimmt :) – Damit man überhaupt erst gute Ideen einsammeln kann, muss man sich gut vorbereiten: Wie stelle ich die Frage richtig, welche Plattformen nutze ich, wo erreiche ich die richtigen Teilnehmer und wie belohne ich die Teilnahme? Vor allem muss man sich fragen: Wie entsteht eine Entscheidung und wie werden Ideen bewertet? Man muss aufpassen, Schneeball-Effekte zu vermeiden, mit der Ideen durch falsche Mechanismen gut bewertet werden, obwohl sie kein hohes Potential haben (z.B. durch exzessives „Freunde zum Abstimmen Einladen“). Viele Unternehmen wollen dem durch eine Jury gegensteuern, was es wiederum nicht ermöglicht, die sprichwörtliche „Weisheit der Massen“ zu nutzen. Es müssen also Entscheidungsfindungsprozesse und Ideensortier-Algorithmen gut durchdacht sein.
Hat man dann einmal Ergebnisse gesammelt, gilt es diese vor allem richtig in die Unternehmensprozesse zu überführen. Damit dies erfolgreich gelingen kann, ist es wichtig, die zuständigen Mitarbeiter von Anfang an in die Umsetzung des Crowdsourcing-Projektes zu involvieren. Wenn man hier nicht genug Wert darauf legt, kann es zu dem sogenannten „Not invented here“ Problem kommen, bei dem Mitarbeiter eines Unternehmens eine gute Idee nicht ideal umsetzen, da sie von vorne herein mit Skepsis betrachtet wird.

van Delden_Catharina_innosabi_FotoCatharina van Delden
Catharina van Delden ist CEO der innosabi GmbH, einer Crowdsourcing-Softwarefirma. Sie ist mehrfache Preisträgerin des INFOCOM Future Leadership Awards zu den Themen „Innovation in a downturn” und „Innovation driving service excellence” und hat als Autorin mehrere Publikationen zu den Themen Open Innovation und Social Media Marketing veröffentlicht. Seit 2013 vertritt Catharina als Präsidiums-Mitglied des BITKOM e.V. die Interessen der ITK-Industrie. Bei der KnowTech 2013 hält sie die Eröffnungs-Keynote Open Innovation – Der Kunde will mitreden.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>