Warum das Handbuch tot ist

von Ulrike Parson, parson AG, und Dr. Achim Steinacker, intelligent views GmbH

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Mobiltelefon? Meins war ein Knochen, dreißig Zentimeter hoch, ein halbes Kilo schwer. Ich konnte damit telefonieren, mehr nicht. Heute habe ich ein Smartphone, mit dem ich manchmal auch telefoniere.

Meistens aber schreibe ich SMS, E-Mails und surfe. So wie sich die Technologie ändert, mit der wir täglich umgehen, so ändert sich auch die Welt der technischen Kommunikation.

Neue Herausforderungen

  • Komplexere Produkte: Nicht nur werden Produkte immer komplexer; es gibt sie auch in immer mehr Varianten. Genauso individuell wie das Produkt muss seine Dokumentation sein, denn jede Produktvariante benötigt ihre eigene Dokumentation.
  • Neue Lesegewohnheiten: Selten lesen wir noch ganze Handbücher. Heutzutage konsumieren wir Informationen häppchenweise. Gezielt suchen wir nach Informationen, die wir gerade benötigen und die zu der Handlung passen, die wir gerade ausführen.
  • Industrie 4.0: Mit dem Zukunftsprojekt Industrie 4.0 wird die Digitalisierung der Fertigungstechnik vorangetrieben. Das Ziel: eine intelligente Fabrik, die wandlungsfähig und ressourceneffizient arbeitet und Kunden und Geschäftspartner in die Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse integriert. Alle Komponenten in einem cyber-physischen System kommunizieren miteinander und mit dem mit dem Werkstück selbst um auf wechselnde Anforderungen und Bedingungen flexibel zu reagieren.
  • Die Dokumentation eines cyber-physischen Systems muss daher berücksichtigen, wie die Komponenten in das Gesamtsystem integriert sind, welche Funktionen und Dienste die Komponente bietet. Auch muss sie Anwendungen wie die Bedienung und die Wartung von Komponenten unterstützen.

All diese neuen Herausforderungen kann die klassische, handbuchorientierte Dokumentation nicht erfüllen. Ist die Dokumentation damit tot? Nein, nur die handbuchartige Anordnung und Auslieferung von Dokumentation. Denn natürlich wird jedes Produkt weiterhin von Informationen zu Anwendung, Wartung und Reparatur begleitet.

Modularität und Metadaten

Dokumentation im Zeitalter von Industrie 4.0 muss modular erstellt werden. Das ist jetzt schon Standard in vielen technischen Redaktionen und wird durch Standard-XML-Architekturen wie DITA oder PI-Mod und XML-Redaktionssysteme unterstützt.

Um die dynamische Zusammenstellung von Informationen für einen bestimmten Anwendungszweck und das Abrufen kleiner, kontextabhängiger Informationshäppchen zu unterstützen, brauchen unsere Dokumentationsmodule außerdem Metadaten. Metadaten verwenden wir als technische Redakteure schon lange, um Dokumente für die Publikation zusammenzustellen oder Module zu suchen.

Neu ist, dass wir diese Metadaten nun zusammen mit unserer modularen Dokumentation ausliefern müssen. Das ermöglicht es Anwendungen, sich aus einer Wissensdatenbank mit modularen Dokumentationsmodulen genau die Häppchen rauszusuchen, die gerade gebraucht werden.

 

Ulrike Parson ist Gründerin und Vorstand des Hamburger Dienstleistungsunternehmens parson AG. Dr. Achim Steinacker ist Presales Manager der intelligent views GmbH. Im ECM-Forum der KnowTech 2015 spricht Ulrike Parsons zu dem Thema „Handbücher abschaffen“.

Ein Gedanke zu “Warum das Handbuch tot ist

  1. Ich stimme den Autoren zu, dass die neuen Herausforderungen durch die klassische handbuchorientiere Dokumentation nicht erfüllt werden können.
    Eine neue Herausforderung könnten beispielsweise Maschinen-Updates sein, denn auch hier müssten die Unterlagen aktualisiert werden, was auch einen großen Aufwand für die Hersteller bedeutet.
    Für diese Herausforderungen gibt es inzwischen einige Lösungen auf dem Markt.
    Hier ein interessanter Artikel zu diesem Thema.
    http://www.insinno.de/mehrwerte-schaffen-kundenbindung-erhohen-eine-service-losung-des-anlagen-und-maschinenbaus-fur-den-endkunden/

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